Rauchgasdichte von Kabeln:
Wenn Sicht zur Sicherheit wird

Wenn es brennt, entscheidet nicht nur die Flamme über Leben und Technik, sondern oft der Rauch. Genauer gesagt: die Rauchgasdichte. Denn in vielen Brandereignissen ist nicht das Feuer das größte Problem, sondern die Sichtlosigkeit, die Orientierung raubt, Fluchtwege unsichtbar macht und Rettungskräfte ausbremst. Genau hier kommen Kabel mit niedriger Rauchentwicklung ins Spiel. Sie sind keine Wunderwaffe gegen Feuer, aber sie können die Bedingungen im Ernstfall spürbar verbessern: mehr Sicht, weniger Panik, weniger Folgeschäden durch aggressive Brandgase.

Wenn Rauch zur eigentlichen Gefahr wird

Stell dir einen ganz normalen Montagmorgen vor. Ein Bürogebäude, die Kaffeemaschine arbeitet im Akkord, irgendwo piept ein Drucker, und in der Technikzentrale hinter der unscheinbaren Tür summt die Infrastruktur, die niemand bemerkt, solange alles funktioniert. Dann ein kurzer Knall, vielleicht nur ein kleiner Defekt, vielleicht eine überlastete Komponente. Das Feuer selbst ist anfangs klein. Fast harmlos, wenn man den Begriff in diesem Kontext überhaupt benutzen darf.

Rauchgasdichte bei Brand - hier realistsche Gefahrensituation

Rauchgasdichte bei Brand – hier realistsche Gefahrensituation

Und dann kommt der Moment, den man in Brandschutzbroschüren selten plastisch genug beschreibt: Der Rauch füllt den Raum nicht langsam wie Nebel auf einem See, sondern er nimmt dir innerhalb kurzer Zeit die Orientierung. Der vertraute Flur wird zur grauen Wand. Das grüne Schild, das sonst so beruhigend den Notausgang zeigt, wirkt plötzlich wie ein Gerücht. Menschen verlassen sich auf die Stimme anderer, stolpern, drehen um, laufen im Zweifel dahin zurück, wo sie hergekommen sind. Nicht, weil sie unvernünftig sind, sondern weil Sicht ein Sicherheitsfaktor ist.

Genau an dieser Stelle wird Rauchgasdichte praktisch: Sie beschreibt, wie stark Rauch die Lichtdurchlässigkeit reduziert, also wie schnell Sicht verloren gehen kann. Und Kabel spielen dabei eine größere Rolle, als viele im Alltag auf dem Schirm haben, weil in Gebäuden, Industrieanlagen und Verkehrstechnik sehr viel Kunststoff in Leitungen und Kabelmänteln steckt.

Was Rauchgasdichte bei Kabeln wirklich bedeutet

Rauchgasdichte klingt erst einmal wie ein Laborbegriff. In der Praxis ist es ein sehr menschliches Thema: Sehen können, entscheiden können, handeln können.

Sicht ist Zeit, und Zeit ist Flucht

Durch Rauchgas wird die Sicht bei Brand schnell schlechter

Durch Rauchgas wird die Sicht bei Brand schnell schlechter

Im Brandfall wird Zeit zur härtesten Währung. Jede Sekunde, in der Fluchtwegkennzeichnungen erkennbar bleiben, jede Sekunde, in der Rettungskräfte eine Zugangsstelle finden, zählt. Hohe Rauchentwicklung kann diese Zeit verkürzen, weil die Sicht früher abreißt. Niedrige Rauchentwicklung kann sie verlängern, weil die Sicht länger erhalten bleibt. Genau deshalb werden Kabel mit niedriger Rauchentwicklung besonders dort eingesetzt, wo viele Menschen unterwegs sind oder wo Evakuierung kompliziert ist, etwa in öffentlichen Gebäuden, in Bahnanlagen, in Tunneln oder in großen Industriekomplexen.

Warum gerade Kabel eine entscheidende Rolle spielen können

Kabel liegen im engen Verbund auf einer Pritsche und stellen ein Brandrisiko dar.

Kabel liegen im engen Verbund auf einer Pritsche und stellen ein Brandrisiko dar.

Kabel verlaufen nicht nur in einer Ecke. Sie ziehen sich durch Schächte, Zwischendecken, Flure, Technikräume, Maschinenbereiche und Serverräume. Wenn es brennt, können Kabelmaterialien daher Teil der Rauchentwicklung werden. Dazu kommt: In vielen Umgebungen liegen Kabel gebündelt, also nicht als einzelne Leitung, sondern als ganze Trassen. Das erhöht die potenzielle Rauchmenge, wenn diese Materialien in einen Brand einbezogen werden.

Wie die Rauchgasdichte gemessen wird: Normen und Drei-Meter-Kubus

Damit „niedrige Rauchentwicklung“ nicht nur ein Werbesatz ist, gibt es dafür definierte Prüfverfahren. In der Kabeltechnik ist dafür besonders die Normenreihe DIN EN IEC 61034 relevant. Damit du die Buchstaben einordnen kannst: DIN steht für Deutsche Industrie Norm, EN für Europäische Norm, und IEC steht für International Electrotechnical Commission, also eine internationale Normungsorganisation. In dieser Normenreihe wird beschrieben, wie die Rauchdichte von Kabeln und isolierten Leitungen unter definierten Bedingungen gemessen wird.

Der 3m Kubus-Test: 27 Kubikmeter Realität im Labor

Der 3m Kubus-Test: 27 Kubikmeter Realität im Labor

Der Drei-Meter-Kubus: siebenundzwanzig Kubikmeter Realität im Labor

Die Prüfung wird häufig als Drei-Meter-Kubus-Test bezeichnet, weil sie in einer Kammer durchgeführt wird, die drei Meter breit, drei Meter tief und drei Meter hoch ist. Das entspricht einem Raumvolumen von siebenundzwanzig Kubikmetern.

In diesem Aufbau werden Kabelproben unter definierten Bedingungen verbrannt. Parallel misst ein photometrisches System die Lichtdurchlässigkeit: Eine Lichtquelle sendet Licht durch den Raum, auf der gegenüberliegenden Seite erfasst eine Fotozelle, wie viel Licht noch ankommt. Je mehr Rauch entsteht, desto stärker sinkt die Lichtdurchlässigkeit. Genau dieses Prinzip ist zentral für die Messung nach IEC 61034.

Wie läuft die Prüfung grundsätzlich ab

Je nach konkreter Prüfvorschrift und Aufbau im Labor gibt es Details, aber das Grundprinzip lässt sich verständlich zusammenfassen:

Wie verläuft ein Prüfverfahren grundsätzlich ab?

Wie verläuft ein Prüfverfahren grundsätzlich ab?

  • Kabelabschnitte werden vorbereitet und im Prüfraum so angeordnet, dass ein definierter Brandverlauf erzeugt wird.
  • Als Feuerquelle wird in solchen Prüfaufbauten häufig eine Alkoholmischung in einer Wanne genutzt, über der die Proben angebracht sind. Das ist in der Praxis ein etabliertes Vorgehen bei entsprechenden Prüfapparaturen.
  • Während der Verbrennung wird kontinuierlich gemessen, wie stark die Lichtdurchlässigkeit im Raum abnimmt.

Wichtig ist dabei: Die Normenreihe teilt sich in einen Teil zur Prüfeinrichtung und einen Teil zum Prüfverfahren. Das ist typisch für Normen, damit Apparatur und Ablauf sauber definiert und zwischen Laboren vergleichbar werden.

Was der Messwert in Prozent für die Praxis aussagt

Die Ergebnisse werden üblicherweise als Lichtdurchlässigkeit in Prozent angegeben. Diese Zahl ist ein ziemlich direktes Bild für den Ernstfall: Wie viel „Sehen“ bleibt übrig, wenn Rauch den Raum füllt.

Lichtdurchlässigkeit ist kein Schönheitswettbewerb

Die Messwerte sind harte Ergebnisse für die reale Praxis

Die Messwerte sind harte Ergebnisse für die reale Praxis

Ein hoher Wert bedeutet, dass mehr Licht den Raum durchdringen kann, also dass der Rauch die Sicht weniger stark beeinträchtigt. Ein niedriger Wert bedeutet, dass der Rauch das Licht stärker schluckt und die Sicht schneller verloren gehen kann. Das ist genau der Grund, warum die Messmethode so greifbar ist: Sie übersetzt Materialverhalten in etwas, das jeder sofort versteht, der schon einmal im dichten Nebel Auto gefahren ist und dachte: „Ich sehe die Welt nur noch in Vermutungen.“

Was die Messung nicht allein leisten kann

So wichtig Rauchgasdichte ist: Sie ist ein Baustein. Brandschutz ist immer ein Puzzle aus mehreren Teilen. Je nach Anwendung können zusätzlich relevant sein:

Messungen allein reichen nicht. Es gibt bei der Rauchgasentwicklung noch mehr zu beachten.

Messungen allein reichen nicht. Es gibt bei der Rauchgasentwicklung noch mehr zu beachten.

  • Flammwidrigkeit, also wie sich ein Kabel im Brandverlauf verhält und ob es die Brandausbreitung unterstützt oder bremst.
  • Isolationserhalt, also ob die elektrische Isolation eines Stromkreises im Brandfall über die geforderte Zeit erhalten bleibt, damit zum Beispiel Notbeleuchtung, Entrauchung oder sicherheitsrelevante Steuerungen weiterhin versorgt werden können.

Funktionserhalt, also ob das gesamte Leitungssystem im Brandfall funktionsfähig bleibt. Dazu gehören nicht nur Leitung und Kabel, sondern auch Tragsystem und Befestigung, zum Beispiel Kabelpritschen, Konsolen, Dübel, Deckenabhänger und weitere Montagekomponenten. Wenn das System versagt, können Leitungen mitgerissen und mechanisch zerstört werden, auch wenn das Kabelmaterial an sich geeignet wäre.

  • Brandgaseigenschaften, also ob die Rauchgase korrosiv sind und damit Technik und Infrastruktur zusätzlich beschädigen.

Gerade diese Punkte werden oft verwechselt: Kabel mit niedriger Rauchentwicklung sind nicht automatisch Kabel mit Isolationserhalt und nicht automatisch ein System mit Funktionserhalt. Eine geringe Rauchentwicklung allein macht keine Aussage darüber, ob ein Stromkreis im Brandfall aufrechterhalten wird oder ob die Installation als Ganzes funktionsfähig bleibt, wenn diese Eigenschaften explizit gefordert sind.

Rauch ist nicht allein: Halogene, Säuregrad und Korrosion

Es ist nicht nur der Rauch, der im Brandfall für Elektroleitungen gefährlich wird: Halogene, Säuregrad und Korrosion

Es ist nicht nur der Rauch, der im Brandfall für Elektroleitungen gefährlich wird: Halogene, Säuregrad und Korrosion

Wenn wir über Rauchgasdichte reden, reden wir über Sicht. Wenn wir über Halogene und Korrosivität reden, reden wir über das, was man später sieht: zerstörte Metalloberflächen, ausgefallene Steuerungen, korrodierte Kontakte, Elektronikschäden weit außerhalb des eigentlichen Brandherds. Und wir reden auch über Menschen: Manche Brandgase sind nicht nur lästig oder stechend, sondern können Augen und Atemwege stark reizen und bei ausreichender Exposition Gewebe schädigen. Gerade in Gebäuden mit vielen Personen ist das ein Teil des Risikos, der in technischen Diskussionen leicht unter den Tisch fällt.

Warum halogenhaltige Materialien ein zusätzliches Risiko darstellen können

In vielen Standard-Kunststoffen, die in der Kabeltechnik vorkommen, können Halogene enthalten sein. Ein bekanntes Beispiel ist Polyvinylchlorid, das häufig als PVC bezeichnet wird. Bei Brandereignissen können daraus korrosive Gase entstehen, etwa Chlorwasserstoff, der wiederum Folgeschäden begünstigen kann. Chlorwasserstoff ist stark wasserlöslich und bildet bei Kontakt mit Feuchtigkeit Salzsäure. Das betrifft nicht nur feuchte Oberflächen im Gebäude, sondern auch Augen und Schleimhäute der Atemwege. Deshalb sind halogenhaltige Brandgase im Ernstfall nicht nur ein Thema für Korrosion an Metall und Elektronik, sondern auch für den unmittelbaren Personenschutz.

Das ist nicht nur ein Thema für den unmittelbaren Brandraum. Korrosive Brandgase können sich im Gebäude verteilen, sich an kühlen Oberflächen niederschlagen und später in elektrischen Anlagen für Ausfälle sorgen, die mit dem ursprünglichen Feuer nur noch indirekt zu tun haben. In der Praxis ist das einer der Gründe, warum Betreiber kritischer Infrastruktur und Industrieanlagen bei der Kabelauswahl zunehmend auf reduzierte Korrosivität achten.

Wie Halogengehalt und Korrosivität geprüft werden

Für die Bewertung von Brandgasen aus Kabelmaterialien ist die Normenreihe IEC 60754 relevant.

Tabelle zeigt Normen für Rauchdichte und Brandgas Prüfung bei Kabeln inklusive Prüfthema.

Welche Norm prüft was, eine Übersicht für Spezifikation und Nachweise.

Damit wird aus einem diffusen Gefühl („Das riecht aggressiv“) eine belastbare, vergleichbare Messung, die man in Spezifikationen, Ausschreibungen und Sicherheitskonzepten sauber verankern kann.

Praxisbeispiele: Wo geringe Rauchentwicklung den Unterschied macht

Hier wird es greifbar. Nicht als Katastrophenkino, sondern als typische Situationen aus Gebäuden, Anlagen und Verkehrstechnik, in denen Kabelauswahl plötzlich nicht mehr nach Einkaufspreis klingt, sondern nach Verantwortung.

In diesen 4 Bereichen wird greifbar und spürbar wo wichtig ist, Kabel zu verwenden, die wenig bis gar keine Rauchgase entwickeln

In diesen 4 Bereichen wird greifbar und spürbar wo wichtig ist, Kabel zu verwenden, die wenig bis gar keine Rauchgase

Krankenhaus: Wenn der Flur nicht nur ein Flur ist

In einem Krankenhaus ist ein Flur niemals nur ein Flur. Er ist Transportweg, Evakuierungsroute, Lebensader zwischen Stationen. Stell dir vor, in einer abgehängten Decke entsteht ein Schwelbrand. Nicht einmal ein dramatisches Feuer, eher dieses heimtückische, langsame Szenario. Der Rauch wandert in den Flur, und plötzlich ist die Frage nicht „Wie schnell ist die Feuerwehr da?“, sondern „Wie schnell verliert das Personal die Sicht?“

Kabel mit niedriger Rauchentwicklung können hier helfen, die Sicht länger zu erhalten. Das bedeutet nicht, dass sie ein Feuer verhindern. Aber sie können die Bedingungen in der kritischen Phase verbessern, in der Menschen Entscheidungen treffen müssen, während sie gleichzeitig Verantwortung für andere tragen.

Tunnel und unterirdische Anlagen: Wenn es kein „mal kurz raus“ gibt

In Tunneln, Unterführungen und unterirdischen Bahnhöfen ist Rauch besonders gefährlich, weil er sich in langen Räumen ausbreiten kann und Fluchtwege oft begrenzt sind. Niedrige Rauchentwicklung ist hier ein handfester Sicherheitsfaktor: Sicht bleibt länger nutzbar, Rettungswege sind eher erkennbar, und Einsatzkräfte finden Zugangspunkte schneller.

Gerade deshalb ist die Prüfung der Rauchdichte über die Lichtdurchlässigkeit im Drei-Meter-Kubus so relevant: Sie zielt genau auf den Effekt, der in solchen Umgebungen über Orientierung entscheidet.

Rechenzentrum: Wenn der Brand klein ist, aber der Schaden riesig

Rechenzentren sind ein eigenes Ökosystem. Viel Luft, viel Technik, viel Kabel. Ein kleiner Brand kann schnell zu einer großen Unterbrechung werden, nicht nur durch Feuer, sondern durch Rauch und korrosive Brandgase. Hier trifft Rauchgasdichte auf ein zweites Thema: Brandgaskorrosion.

Wenn korrosive Gase entstehen, kann das Elektronik beschädigen, auch wenn die Flammen nie in die Nähe der betroffenen Racks kommen. Deswegen schauen Betreiber oft nicht nur auf „wenig Rauch“, sondern auch auf „wenig Halogene“ und „geringe Korrosivität“, also auf Prüfungen nach IEC 60754.

Industrieanlage: Wenn Stillstand teurer ist als jedes Kabel

In der Industrie ist die beste Brandschutzmaßnahme oft die, die verhindert, dass aus einem kleinen Ereignis ein großer Stillstand wird. Rauch, der Sensorik und Steuerungen beeinträchtigt, kann Produktion lahmlegen. Korrosive Rückstände können Schaltschränke und Klemmenleisten ruinieren. In solchen Umgebungen ist es häufig sinnvoll, Kabelsysteme so auszulegen, dass sie sowohl die Rauchentwicklung als auch die Brandgas-Eigenschaften berücksichtigen, je nach Risikobewertung und Anlagenlayout.

An dieser Stelle lohnt sich auch der nüchterne Blick: Der Preis eines Kabels ist eine Zahl. Der Preis eines ungeplanten Stillstands ist meistens ein Kapitel.

Auswahlhilfe: Worauf du bei Kabeln für Brand- und Personenschutz achten solltest

Wenn du Kabel für öffentliche Gebäude, Industrieanlagen oder Verkehrstechnik auswählst, hilft eine einfache Regel: Nicht in Produkteigenschaften denken, sondern in Szenarien. Und dann die passenden Nachweise dazu anfordern.

Mythos und Realität im Vergleich zu der Normenreihe der Rauchgasentwicklung für Elektrokabelummantelungen

Mythos und Realität im Vergleich zu der Normenreihe der Rauchgasentwicklung für Elektrokabel und deren Ummantelungen

Fragen, die du dir in Planung, Einkauf und Technik stellen solltest

  • In welchem Bereich liegt das Kabel, und wie viele Personen wären im Brandfall von eingeschränkter Sicht betroffen?
  • Handelt es sich um Fluchtwege, Treppenräume, zentrale Flure oder stark frequentierte Bereiche, in denen eine niedrige Rauchentwicklung besonders wichtig ist?
  • Gibt es empfindliche Elektronik, die durch korrosive Brandgase auch außerhalb des Brandraums beschädigt werden könnte?
  • Werden Nachweise zur Rauchdichte nach DIN EN IEC 61034 gefordert, also zur Messung der Lichtdurchlässigkeit im Drei-Meter-Kubus?
  • Werden Nachweise zu Halogengehalt und Korrosivität der Rauchgase gefordert, etwa nach IEC 60754-1 und IEC 60754-2?
  • Wird ein definierter Isolationserhalt gefordert, also die Aufrechterhaltung eines Stromkreises im Brandfall über eine festgelegte Zeit, zum Beispiel für Notbeleuchtung oder Entrauchung?

Wird darüber hinaus Funktionserhalt des gesamten Leitungssystems gefordert, also Leitung plus Tragsystem und Befestigung, zum Beispiel Kabelpritschen, Konsolen, Dübel und Deckenbefestigungen?

Formulierungen, die in Ausschreibungen wirklich helfen

Wenn du den Text für eine Leistungsbeschreibung oder Anfrage vorbereitest, sind ausführliche Formulierungen oft hilfreicher als kurze Schlagwörter, weil sie Missverständnisse reduzieren. Beispiele sind:

Das sind nicht nur einfache Formulierungen. Das sind in der Praxis erstaunlich oft genau die Sätze, die später klären, ob ein Projekt sauber dokumentiert ist oder ob man bei der Abnahme mit hochgezogenen Augenbrauen im Technikraum steht.

Häufige Missverständnisse in Ausschreibungen und Planung

Missverständnis eins: „Flammwidrig“ bedeutet automatisch „wenig Rauch“

Ein Kabel kann flammwidrig sein und trotzdem viel Rauch entwickeln. Flammwidrigkeit beschreibt vor allem das Brandverhalten in Bezug auf Entzündung und Brandausbreitung, nicht automatisch die Rauchmenge. Rauchgasdichte ist eine eigene Messgröße, deshalb gibt es dafür eigene Prüfungen wie IEC 61034.

Missverständnis zwei: „Wenig Rauch“ bedeutet automatisch „keine gefährlichen Gase“

Niedrige Rauchentwicklung ist ein wichtiger Vorteil, aber Brandgas-Themen wie Halogengehalt, Säuregrad und Korrosivität sind zusätzliche Kriterien. Genau dafür existieren Prüfungen wie IEC 60754-1 und IEC 60754-2.

Missverständnis drei: „Niedrige Rauchentwicklung“ ersetzt Isolationserhalt oder Funktionserhalt

Das ist ein Klassiker. Kabel mit niedriger Rauchentwicklung verbessern Sicht und können Brandfolgen reduzieren, aber sie garantieren nicht automatisch Isolationserhalt, also dass ein Stromkreis im Brandfall über die geforderte Zeit weiter versorgt wird. Und selbst wenn der Stromkreis theoretisch weiterlaufen könnte, entscheidet in vielen Installationen die Mechanik: Funktionserhalt ist systemisch zu verstehen. Wenn Kabelpritschen, Konsolen, Deckenbefestigungen oder Dübel unter Brandbeanspruchung versagen, werden Leitungen mitgerissen, abgeknickt oder zerstört. Deshalb müssen Isolationserhalt und Funktionserhalt, wenn gefordert, explizit und getrennt spezifiziert und nachgewiesen werden.

Unser Service: Kabelauswahl mit Blick auf Sicht, Sicherheit und Nachweise

Bei TKD Kabel denken wir das Thema Rauchgasdichte nicht als isolierten Laborwert, sondern als Teil eines modernen Brandschutzkonzeptes: Sicht im Evakuierungsfall, Orientierung für Rettungskräfte, und je nach Einsatzumgebung auch der Blick auf Halogene und die Korrosivität der Rauchgase. Genau deshalb weisen wir bei passenden Anwendungen nicht nur auf Kabel mit geprüfter niedriger Rauchentwicklung hin, sondern sprechen auch über halogenarme oder halogenfreie Lösungen und über die Brandgas-Prüfungen, die dazu gehören können, je nach Spezifikation.

Wenn du gerade eine Ausschreibung vorbereitest, eine Anlage modernisierst oder schlicht vermeiden willst, dass „Kabel“ im Projektplan das unscheinbare Kapitel bleibt, bis es zu spät ist, dann melde dich gern bei uns. Über eine persönliche Beratung auf tkd-kabel.de/kontakt klären wir gemeinsam, welche Anforderungen zu deiner Umgebung passen und welche Prüf- und Nachweisdokumente sinnvoll sind.

Rauchgasdichte beschreibt, wie stark der Rauch, der bei einem Brand entsteht, die Sicht einschränkt. Bei Kabeln geht es dabei vor allem um die Rauchentwicklung der eingesetzten Kunststoffmaterialien, etwa für Mantel und Isolierung. Je höher die Rauchgasdichte, desto schneller sinkt die Lichtdurchlässigkeit im Raum. Das kann Flucht und Rettung erschweren, weil Fluchtwegkennzeichnungen, Türen und Hindernisse schlechter erkennbar sind. Kabel mit niedriger Rauchentwicklung tragen dazu bei, dass die Sicht im Brandfall länger erhalten bleiben kann.

Die Rauchgasdichte wird in einem standardisierten Test über die Lichtdurchlässigkeit gemessen. Dabei wird im Prüfaufbau die Lichtübertragung zwischen einer Lichtquelle und einem Messsensor erfasst und bewertet, wie stark sie durch den entstehenden Rauch abgeschwächt wird. Die Ergebnisse werden üblicherweise als Lichtdurchlässigkeit in Prozent angegeben. Je höher der Prozentwert, desto weniger beeinträchtigt der Rauch die Lichtdurchlässigkeit.

In der Kabeltechnik wird die Messung der Rauchdichte typischerweise über die Normenreihe DIN EN IEC 61034 abgedeckt. Sie beschreibt das Verfahren zur Bestimmung der Rauchdichte durch Messung der Lichtdurchlässigkeit in einer definierten Prüfumgebung. In Ausschreibungen und Spezifikationen wird häufig ein Nachweis nach dieser Norm gefordert, um „niedrige Rauchentwicklung“ messbar und vergleichbar zu machen.

In Fluren, Treppenräumen und anderen Fluchtwegen ist Sicht ein direkter Sicherheitsfaktor. Dichte Rauchentwicklung kann die Orientierung massiv verschlechtern, was zu Fehlentscheidungen und Zeitverlust führt. Kabel mit niedriger Rauchentwicklung können die Bedingungen im Ernstfall verbessern, indem sie dazu beitragen, dass die Sicht länger nutzbar bleibt. Das ist besonders relevant in öffentlichen Gebäuden, Krankenhäusern, Bahnhöfen, Tunneln und Industrieanlagen mit vielen Personen oder komplexen Evakuierungswegen.

Nicht zwingend. „Niedrige Rauchentwicklung“ beschreibt in erster Linie die Rauchmenge beziehungsweise die Sichtbeeinträchtigung. „Halogenfrei“ bezieht sich auf die chemische Zusammensetzung der Materialien und darauf, ob bei der Verbrennung halogenhaltige und potenziell korrosive Gase entstehen können. In vielen Projekten sind beide Anforderungen sinnvoll, aber sie müssen getrennt betrachtet und separat nachgewiesen werden.

Nutzen Sie unsere Checklisten für Ihre individuellen Zwecke.

Wir haben zwei alternative Varianten für Sie zum Download vorbereitet:

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Thomas Schmidt(Autor)